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Den Drachen überwinden Wenn die Masken fallen Wege aus der Zwickmühle Wenn die Seele verletzt ist Was uns verbindet und was uns unterscheidet

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Wenn die Masken fallen

Inhalt

Vorwort
Paartherapie – herausgeworfenes Geld oder echte Chance?

Der Untergang der Titanic oder wie wir aneinander vorbeireden, Julia Biskupek
Der Eisberg
Das Senden und Empfangen von Signalen
Signale und ihre Bewertung
Kommunikation mit mir selbst
Der Kommunikationskuchen
Die verbale Kommunikation – Worte
Die nonverbale Kommunikation – Körpersprache
Wirklichkeit und Wahrheit
Aktiv zuhören
Die vier Seiten einer Nachricht
Eltern, Kinder und Erwachsene – die Transaktionsanalyse

Doublebind oder wenn nichts so ist wie es zu sein scheint
Die paradoxe Kommunikation
Die Lösungsstrategien
Doublebinds in der Partnerschaft

Die weibliche und die männliche Sicht der Wirklichkeit
Neurophysiologie und Geschlecht – Warum sie mitfühlt, während er weiß, wo es langgeht, Volkmar Suhr
Die Tücken des Paargesprächs
Die männliche Wirklichkeit: Die Dominanz der Ratio
Von der Ursünde, eine Frau zu sein
Die feste Beziehung: Freiheitsberaubung oder Ort für Entwicklung?
Für Frauen: Kuschelsex versus Quickie / für Männer: Spontansex versus Hindernislauf

Regeln und die daraus folgenden Verhaltensmuster
Wie wir unsere Regeln bilden
Ich mach’s genauso / überhaupt nicht so wie Papa und Mama!
Das Schlüssel-Schloss-Prinzip: In wen verlieben wir uns eigentlich?

Beziehungskiller Kindheitstrauma
Beziehungstrauma und seine destruktive Spätwirkung
Trigger erkennen – emotionale Sprengsätze entschärfen
Die Folgen von Misshandlung, Vernachlässigung und Verlassenheit auf die Partnerschaft
Die Spätfolgen sexueller Gewalt
Wenn Kinder geboren werden: Die unfreiwillige Zeitreise der Eltern in die eigene Kindheit

Wie pflegen Sie zu streiten?
Symmetrisch oder komplementär?
Beschuldigend, beschwichtigend, rationalisierend oder ablenkend?
Streiten die Kinder oder die Erwachsenen?
Sind es vielleicht Trigger?
Oder spielen Sie gerne Pingpong?

Die konstruktive Auseinandersetzung, Julia Biskupek

Der Sinn der Außenbeziehung

Ein systemischer Gesundungsweg
Zeit für das Wir
Der kongruente Mensch
Die Welt des anderen betreten oder wie werden Paare kompatibel?
Ohne Altlasten lebt es sich leichter
Klare Grenzen schaffen
Offene Rechnungen ausgleichen – Heilungsrituale für Paar

Warum sich die Beziehungsarbeit unserer Meinung nach lohnt
Bibliographie

Paartherapie -

herausgeworfenes Geld oder echte Chance?
Es gibt Paare, die nach wiederholten gescheiterten Versuchen, sich von Therapeuten in ihrer Problematik helfen zu lassen, entnervt aufgeben. Andere konnten die angebotene Beratung gut für sich nutzen. Da wir beide Seiten gut kennen und weil auch wir natürlich nicht allen Paaren, die zu uns kamen, helfen konnten, gingen wir der Frage nach, welche Voraussetzungen sowohl auf der Berater- als auch auf der Klientenseite hilfreich sind, damit das Paar sein Ziel tatsächlich erreicht.

Wenden wir uns zuerst den Beratern zu.
Paartherapie oder Paarberatung gilt in Fachkreisen als äußerst anspruchsvoll. Ob ein Paarberater gute Arbeit leistet, hängt sowohl von seiner Ausbildung ab, als auch von seiner Persönlichkeit und Kompetenz, vor allem aber von seiner Fähigkeit, allparteilich zu bleiben, das heißt, beide Partner gleichermaßen zu vertreten und zu ihrem Recht kommen zu lassen. Keinesfalls darf er sich auf eine der beiden Seiten schlagen, obwohl er häufig von seinen Klienten äußerst leidenschaftlich gerade dazu eingeladen wird. Je geladener die Krise, umso leichter kann ein einzelner Therapeut in diese Falle tappen und dann haben alle Beteiligten verloren. Die tatsächliche oder wahrgenommene Parteinahme des Therapeuten wird von Klienten denn auch als häufigster Grund für eine abgebrochene Paartherapie genannt.
Dabei ist Parteinahme überhaupt nicht böse, sondern schlichtweg menschlich. Therapeuten sind Menschen, auch wenn von ihnen erwartet wird, sich in Situationen überlegen, kompetent und lösungsorientiert zu verhalten, in denen die Klienten längst kapituliert haben. Berater sollen dabei mitfühlend, offen und herzlich sein, auch wenn ihnen die geballten Aggressionen eines Paarkonflikts um die Ohren fliegen. Zugegeben, oftmals keine leichte Aufgabe. Trotzdem ist Parteinahme fachlich nicht korrekt und führt zu keiner Lösung.

Wie gerät ein Berater in die Parteinahmefalle?
Wir hören ganz ähnliche Geschichten: Eine Frau geht wegen Ehe- oder Paarproblemen zur Therapie. Die Therapeutin bittet ihre Klientin in bester Absicht, den Partner mitzubringen. Nach spätestens drei Sitzungen bricht der Mann wütend ab. Seiner Wahrnehmung nach hat sich die Therapeutin auf die Seite seiner Frau geschlagen, und nun muss er sich gegen zwei Frauen wehren. (Achtung Männer! Dieses Verhalten ist nicht typisch weiblich; wir hören die Story genau so oft über männliche Berater oder Therapeuten.)
Wenn wir es uns recht überlegen, ist das Verhalten der Beraterin oder des Beraters verständlich. Natürlich fühlen wir mit unseren Klienten und sehen die Wirklichkeit durch ihre Augen. Da kann es leicht vorkommen, dass wir gar nicht merken, wenn wir Partei ergreifen. Alexander und ich sind in dieser Beziehung sehr vorsichtig. Keiner von uns nimmt gleichzeitig zwei Personen, die Schwierigkeiten miteinander haben, als Klienten, wenn diese Schwierigkeiten Thema der Sitzung sein sollen - nicht im Coaching und auch nicht in der Therapie. Aus demselben Grund erzählen wir einander nichts aus Einzelsitzungen von Klienten, wenn abzusehen ist, dass irgendwann eine Paarberatung ansteht.
Aber auch wenn es vorher keinen Kontakt mit dem Therapeuten gab, klagen Klienten über Parteinahme. Geht das Paar zu einer Therapeutin, glaubt der Mann, dass sich die Frauen gegen ihn verbünden, bei einem Therapeuten wähnt die Frau, plötzlich gegen zwei männliche Gegner kämpfen zu müssen. Oder die Frau glaubt, ihr Mann flirte mit der Therapeutin und ziehe sie gekonnt auf seine Seite, oder der Mann meint seine Frau dabei zu ertappen, den Therapeuten als Retter und Ritter zu instrumentalisieren, und sieht sich als Verlierer.
Ob die Therapeuten diese Wahrnehmungen teilen, spielt überhaupt keine Rolle. Auch wenn sie sich, was man durch einen Videomitschnitt ja durchaus beweisen könnte, absolut korrekt verhalten haben, zählt einzig die Wahrnehmung der Klienten für das Gelingen oder Misslingen einer Therapie, denn die Klienten werten die Wirklichkeit aufgrund ihrer historischen Erfahrungen aus. Wenn sie bereits schlechte Erfahrungen mit Parteinahme gemacht haben, kann allein die Tatsache, dass der Therapeut natürlich auch den Partner verstehen und ernst nehmen muss, als Parteinahme und Verrat bewertet werden, und die Therapie wird abgebrochen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, bitte verstehen Sie das nicht als Kritik! Wenn Sie alleine mit Paaren arbeiten, haben Sie sowohl unser Mitgefühl als auch unsere Hochachtung. Wir selbst wagen uns nicht in dieses emotionale Minenfeld und ziehen die einfachere Variante vor.
Unserer Erfahrung nach haben zwei Therapeuten wesentlich bessere Chancen, sowohl die eigene Parteinahme als auch die Angst davor im Klientensystem zu vermeiden. Bereits zwei männliche Berater bzw. zwei weibliche Therapeutinnen können das Klima in dieser Hinsicht entspannen, da jeder Klient „seinen“ Coach hat. Die besten Karten bei heterosexuellen Paaren hat jedoch das „gemischte Doppel“, also sowohl Mann und Frau auf der Berater- wie auf der Klientenseite. Jetzt können die Klienten frei wählen, von wem sie sich besser unterstützt fühlen, die männliche und die weibliche Sicht werden gleichberechtigt vertreten und das Klima ist förderlich für eine lösungsorientierte Arbeit. Dieses Feedback erhalten wir häufig ungefragt von unseren Paaren.

Welche Voraussetzungen sollten die Klienten mitbringen?
Nachdem wir die Beraterseite beleuchtet haben, wenden wir uns jetzt den Klienten zu. Gibt es auch bei ihnen Voraussetzungen, die aussagekräftig für das Gelingen bzw. Misslingen einer Paartherapie sind? Was machen die Paare, die gut vorwärts kommen, anders als diejenigen, bei denen die Beratung nichts zu bringen scheint?
Eine der wichtigsten Bedingungen ist Ehrlichkeit. Manchmal arbeiten wir mit Paaren, und es kommt irgendwie nicht richtig zur Lösung. Später erfahren wir dann, dass einer von beiden schon seit längerer Zeit eine Außenbeziehung hat. Wir sind Therapeuten und keine Hellseher. Wenn uns so wichtige Fakten verschwiegen werden, weil derjenige, der „fremdgeht“, nicht wagt, die Wahrheit zu sagen, kann natürlich bei der Beratung nicht wirklich etwas herauskommen, denn dann werden Lügen und Betrügereien Teil der Paardynamik. Wie sollen auf der Basis von Unwahrheiten Lösungen entstehen?
Es gab Klienten, die uns in Einzelsitzungen über ihre Außenbeziehung berichteten. Dann wollten sie eine Paarberatung, doch ohne ihren Partnern oder Parterinnen von dem anderen Mann oder der anderen Frau zu erzählen. Sie hatten tatsächlich vor, uns im Rahmen der Schweigepflicht zu Mitwissern und Verbündeten zu machen! Solches Ansinnen lehnen wir grundsätzlich ab. Wir urteilen nicht darüber, dass jemand Angst vor der „Beichte“ hat, und unterstützen denjenigen in der Einzelberatung. Dann muss die Paartherapie einfach noch eine Weile warten.
Die erste wichtige Frage, die wir Paaren stellen, die mit ernsthaften Problemen zu uns kommen ist: „Geben Sie der Beziehung eine Chance?“ Alle pflegen dann zu antworten: „Ja natürlich, sonst säßen wir nicht hier!“ Doch diese Antwort kommt oft zu schnell, zu unüberlegt, denn um der Beziehung eine Chance zu geben, sind bestimmte Voraussetzungen nötig und diese ist nicht jeder bereit zu schaffen. Das merken wir an den Antworten auf die nächste Frage: „Was müsste geschehen, sich ändern, damit die Beziehung diese Chance erhält?“
Häufig werden Bedingungen genannt, die für den anderen erst einmal unannehmbar oder aber gar nicht zu realisieren sind. Die „Schmetterlinge im Bauch“ sollen nonstop flattern, bestimmte unerwünschte Verhaltensweisen sollten, ab jetzt, nie wieder gezeigt werden, schön und sexy sollte die Ehefrau sein und gleichzeitig hingebungsvolle Mutter der vier Kinder und tüchtige Hausfrau, der Mann rücksichtsloser Supermann und gleichzeitig weichherziger Frauenversteher, offen für Sexspielchen im Swingerclub und der Partnerin treu ergeben, alles verstehen, keine Ansprüche stellen usw. usf., eben ideal, aufregend und gleichzeitig pflegeleicht. Frauen wünschen sich häufig von ihren Männern, sie sollten wie Frauen reagieren, Männer wünschen sich natürlich Reaktionsweisen von ihren Frauen, die eher männlich gefärbt sind.
Uns fällt auf, dass heute - in Orientierung an die Filmindustrie? - Erwartungen an Beziehungen gestellt werden, die völlig unrealistisch sind. Die Erfüllung aller Lebensträume, des Lebensglücks schlechthin, wird ausschließlich an die Partnerschaft delegiert! Der Partner als Garant für ein erfülltes Leben? Das kann nicht funktionieren; kein Mann, keine Frau kann diese Erwartungen dauerhaft erfüllen. Das erleben alle Paare, wenn die erste Verliebtheit nachlässt.
Die erste „heilige Kuh“, die in einer Paarberatung geschlachtet werden muss, sind überzogene Erwartungen und die daraus resultierenden nicht zu realisierenden Bedingungen. Doch es gibt noch weiter Klippen, und diese haben wir in Form von Fragen gekleidet. Sie können eine Menge Zeit und Geld sparen, wenn Sie sich mit diesen Fragen auseinander setzen, bevor Sie eine Paarberatung beginnen.

1. Kann ich meinen Partner grundsätzlich schätzen und achten?
Die wichtigste Voraussetzung für eine gelungene Paararbeit ist gegenseitige Wertschätzung. Darunter verstehen wir, dass der Partner und seine Werte grundsätzlich geachtet werden. Beide Partner sind bereit, an störenden Verhaltensweisen zu arbeiten.

2. Wer ist verantwortlich für die Krise?
Achtung, beantworten Sie diese Frage nicht zu schnell. Die meisten Paare glauben nämlich, dass der Partner die Verantwortung für den Konflikt trägt. Viele suchen in den Therapeuten Verbündete gegen den Partner, um ihm oder ihr endlich mal klarzumachen, was er oder sie falsch macht. Die Therapeuten sollen dabei helfen, den Machtkampf zu gewinnen, doch wehe den Kollegen, die sich darauf einlassen! Obwohl die Parteinahme, wie schon erwähnt, von den Paaren angeboten, ja manchmal geradezu flehentlich gewünscht wird, hilft es nicht, auf diesen Wunsch einzugehen, ja es verhindert geradezu die Möglichkeit einer guten Lösung.
Die besten Chancen haben Paare, die die Schuldfrage opfern, bei denen also jeder von beiden seine Verantwortung für den Konflikt übernimmt, und zwar ganz gleich, ob er selbst seinen Anteil wahrnehmen kann. Sobald einer von beiden darauf beharrt, dass der andere allein „Schuld“ ist, können wir die Beratung im Grunde gleich abbrechen.
Das gilt auch für Außenbeziehungen. Wenn sich das Paar darauf einlässt, nach den Gründen für die Außenbeziehung innerhalb der eigenen Partnerschaft zu suchen, kann die Untreue besser verarbeitet werden, als wenn einer weiterhin als der allein Schuldige dasteht.
Von all diesen Beispielen ausgenommen sind selbstverständlich körperliche, seelische und sexuelle Gewalt. Es gibt Menschen, die ihre Partner und/oder ihre Kinder gewohnheitsmäßig misshandeln, betrügen und hintergehen. Hier beziehen wir klar Position. Das grellste Beispiel war ein Mann, der versuchte, uns davon zu überzeugen, dass seine Frau die Prügel verdiente, die er ihr verabreichte hatte. Er behauptete allen Ernstes, sie sei schuld daran, dass er sie schlage! Da er zu keiner Einsicht bereit war und anfing, uns dafür zu beschimpfen, dass wir nicht auf seine Seite wechselten, beendeten wir die Sitzung.
Ein weiterer Sonderfall sind psychische Erkrankungen. Ein psychisch kranker Mensch verhält sich zeitweilig anders als ein gesunder. In solchen Partnerschaften muss der Partner bestimmte Pflichten für den Erkrankten übernehmen, besonders, wenn Kinder da sind. Wir erinnern uns an einen Fall, wo einem Mann erst im Laufe der Paarberatung klar wurde, dass seine Frau an einer psychischen Erkrankung litt. Obwohl er einerseits schockiert war, konnte er seitdem viel besser mit den zeitweilig absonderlichen Verhaltensweisen seiner Frau umgehen, nahm ihr in Krisenzeiten Pflichten ab, erleichterte ihr das Leben und kümmerte sich vermehrt um die Kinder, was das Zusammenleben des Paares merklich entspannte. Doch das sind Sonderfälle, die glücklicherweise höchst selten vorkommen.
Relativ häufig kommt es dagegen vor, dass meist die Frau als Kind sexuell missbraucht wurde. Ganz abgesehen davon, dass Männer, die sich in bedürftige Frauen verlieben, in ihrem Repertoire über gut dazu passende Verhaltensmuster verfügen, haben hier die Frauen den größeren Anteil an therapeutischer Arbeit zu leisten. Den Männern bleibt meist nur das geduldige Abwarten und das freundliche Begleiten des Prozesses.
Abgesehen von diesen Besonderheiten verstricken sich Paare zu gleichen Teilen in ihre Konflikte und können somit auch zu gleichen Teilen gewinnen. Uns ist es sowieso am liebsten, wenn zwei Gewinner aus der Praxis gehen.

3. Kann ich die Krise als Chance zu weiterem Wachstum begreifen?
Max Frisch, dessen Definition einer Krise wir an den Anfang dieses Buches stellten, gibt uns den nächsten wichtigen Hinweis: Wie sieht ein Paar die Krise, in der es gerade steckt? Wird die Krise als Katastrophe festgeschrieben oder die Chance zum Wachstum wahrgenommen? Besonders gute Chancen haben Paare, die eine Krise als Hinweis darauf verstehen, dass sich in ihrem Leben etwas ändern, bestenfalls sogar verbessern könnte.
Es gibt nur wenige Menschen, die wir so nahe an uns heranlassen, dass sie unsere empfindlichsten „Knöpfe“ drücken. Diese Knöpfe sind deshalb so empfindlich, weil sie meist auf Grund von Verletzungen in der Kindheit entstanden sind. Doch die Empfindlichkeit weist uns darauf hin, dass die Wunde noch nicht wirklich verheilt ist, sonst könnte uns der Partner nicht treffen. Wenn die Krise als Hinweis darauf verstanden wird, dass jeder die eigenen Themen bearbeiten sollte, kann der Konflikt zu einem vertieften Verständnis führen. Ganz gleich, ob sich die beiden wieder finden und zusammen bleiben oder ob sie sich zu einer friedlichen Trennung entschließen, gewinnen beide.

4. Kann ich die Therapie den Therapeuten überlassen?
Bei einer Paartherapie kommen auch Themen zur Sprache, die den Partner schon lange nerven. Es ist ganz normal, dass einem die Fehler des anderen wesentlich schneller auffallen als die eigenen. Als sicherer „Therapieerfolgskiller“ wirkt jedoch, wenn man den Partner zu Hause weiter therapiert. „Das musst du einsehen, der Berater hat ja auch festgestellt...“
Therapieren Sie nur dann auf eigene Faust, wenn Sie Ihren Partner entweder so schnell wie möglich loswerden oder ihn dazu bringen wollen, die Beratung zu beenden. Für viele ist es schon schlimm genug, überhaupt zum „Psychoklempner“ zu müssen, doch wenn die eigene Frau oder der eigene Mann zu Hause weitertherapiert, wird die Geschichte schnell unerträglich.
Wenn sich jeder statt dessen darauf konzentriert, die eigenen Themen und nicht die des Partners zu bearbeiten, entspannt sich die Lage. Trauen Sie Ihrem Partner zu, dass ihm die Beziehung zu Ihnen so wichtig ist, dass er sein Möglichstes tut, damit es Ihnen beiden wieder besser miteinander geht. Wenn Sie dieses Vertrauen nicht aufbringen, ist die Basis möglicherweise stärker gefährdet, als Sie bisher angenommen haben.

5. Verfolgen wir in der Paararbeit ein ähnliches Ziel?
Es ist nicht unbedingt notwendig, die Paarberatung mit einem gemeinsamen Ziel zu beginnen. Häufig gibt es gerade zu Anfang verschiedene Anliegen. Doch manchmal können verschiedene Ziele den Erfolg verhindern. Wenn einer kommt, weil er sich unbedingt trennen und die andere, weil sie die Beziehung unbedingt retten will, stehen die Chancen für eine gelungene Zusammenarbeit eher schlecht. Wenn wir beide in ihren Bedürfnissen ernst nehmen, verhindert das Ziel des einen das Ziel des anderen. Solche gegensätzlichen Erwartungen werden häufiger geäußert. Werden aus solchen Erwartungen Bedingungen, dann gibt es keine gemeinsame Lösung.
Ein Paar kam zu uns, weil der Mann eine langjährige Außenbeziehung gehabt hatte. Die Frau bestand darauf, an den Ursachen für die Außenbeziehung zu arbeiten, nur dann würde sie sich zu einer Paartherapie bereit erklären. Der Mann bestand darauf, die Außenbeziehung vollständig auszuklammern, sonst würde er die Sitzung sofort abbrechen. Da keiner nachgeben wollte, gab es keine Fortsetzung.

6. Können Sie über sich lachen?
„Humor ist, wenn man trotzdem lacht!“ Bei allem gebotenen Ernst schadet es nicht, wenn man ab und an über sich lachen kann. Das, was wir in unseren Partnerschaften inszenieren, sehen wir uns häufig genug im Kino oder im Fernsehen an und unterhalten uns prächtig dabei. Denjenigen, denen es gelingt, ab und zu über sich zu lachen, meistern Krisen mit größerer Leichtigkeit als diejenigen, die sich auf das Drama versteifen.

Wir glauben übrigens nicht, dass Paare unbedingt und unter allen Umständen zusammen bleiben sollten. Es gibt gute Gründe, sich zu trennen, doch die meisten Paare trennen sich viel zu früh. In der überwiegenden Mehrzahl aller Fälle ist der nächste Mann / die nächste Frau nicht viel anders als der Vorgänger oder die Vorgängerin, auch wenn das zunächst ganz anders wirkt. Deshalb ist es in jedem Fall besser, sich zuerst damit auseinander zu setzen, warum die gegenwärtige Beziehung nicht funktioniert. Wenn alle damit verbundenen Themen bewältigt worden sind, steht jedem Paar die Entscheidung offen, zusammen zu bleiben oder sich zu trennen. Doch dann verläuft die Trennung friedlich, die beiden können Freunde bleiben, und danach kann etwas wirklich Neues beginnen.
Eine gut verlaufende Paarberatung bedeutet deshalb nicht in jedem Fall, dass die Partnerschaft fortgesetzt wird. Eine gute Trennung ist ebenfalls als Erfolg zu werten. Wer jedoch glaubt, der Partner sei ein schlechter Mensch und am eigenen Unglück schuld, wer darauf besteht, den Partner und nicht sich selbst zu ändern und wer glaubt, ihn darüber hinaus auch noch therapieren zu können, kann sich das Geld für die Beratung sparen.

Das Schlüssel-Schloss-Prinzip:

In wen verlieben wir uns eigentlich?
Wir haben bestimmt nicht vor, mit diesem Kapitel Ihre romantischen Gefühle zu verletzen. Wir behaupten auch nicht, dass das, was wir in unseren Kursen und mit unseren Klienten erleben, die absolute Wahrheit ist. Zu uns kommen ja nur die Menschen, die in irgendeiner Art und Weise Schwierigkeiten haben. Statistisch gesprochen untersuchen wir „keine relevante Stichprobe“. Da wir jedoch mit diesem Ansatz vielen Paaren helfen konnten, soll er einen Platz in diesem Buch finden, denn möglicherweise gehören Sie ja auch zu den Betroffenen. Es geht um die wichtige Frage, in wen wir uns verlieben.
Die Biochemiker sind schon lange davon überzeugt, dass Verliebtheit eine chemische Reaktion ist. Endorphine, körpereigene Opiate werden vermehrt ausgeschüttet. Dies geschieht ebenfalls beim Marathon und beim Schokoladeessen, doch inzwischen ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass beim Küssen und beim Sex ein Vielfaches an Endorphinen ausgeschüttet wird. Mit diesem Phänomen mag die Euphorie, die die Verliebtheit begleitet, erklärt sein, doch nicht, warum wir uns gerade in den Mann oder die Frau verlieben. Wir wollen versuchen, Ihnen diese Frage auf unsere Weise zu beantworten.
Vielleicht haben Sie sich auch schon darüber gewundert, warum sich Töchter von Alkoholikern ausgerechnet in Alkoholiker verlieben. Bei so vielen möglichen Männern ist es statistisch unwahrscheinlich, zufällig einen mit Suchtproblemen zu erwischen. Häufig ist der Alkoholismus zu Beginn der Beziehung nicht akut, doch im Laufe der Zeit zeigt sich das Suchtmuster immer klarer. Schlussendlich hat die Frau wieder das, was sie als Kind schon so sehr verabscheute. Was fand sie so anziehend an einem süchtigen Mann und warum verliebte sich der Süchtige ausgerechnet in eine Frau, die sich mit Sucht auskennt, obwohl beide über dieses Thema überhaupt nicht gesprochen haben?
Wir stellten uns die Frage, ob das Gefühl der Verliebtheit - das Gefühl, jemanden schon immer zu kennen und sich so seltsam vertraut zu fühlen – nicht ganz einfach darauf zurück zu führen sei, dass wir uns tatsächlich vertraut und zu Hause fühlen, weil wir das Muster, das uns der mögliche Partner zeigt, aus unserer Herkunftsfamilie kennen. Wir fühlen uns deshalb so vertraut und zu Hause, weil es sich genau so anfühlt wie zu Hause, dort, wo unsere ersten Bindungswünsche erfüllt oder möglicherweise nicht so erfüllt wurden, wie es gut für uns gewesen wäre. Als wir dieser Hypothese nachgingen, erzielten wir einen Treffer nach dem anderen.
Jeder von uns war Kind in einer Familie oder lebte zumindest mit erziehungsberechtigten Erwachsenen zusammen. Wir alle genossen oder erlitten eine mehr oder weniger gut auf uns abgestimmte Behandlung. Kinder beziehen alle Erziehungsmaßnahmen der Eltern auf sich – auf wen denn sonst? Werden Kinder gelobt, fühlen sie sich gut und fähig, werden sie gestraft, fühlen sich schuldig. Geschieht beides im rechten Maß, kann sich ein gutes Gefühl für den eigenen Wert ausbilden. Wird das Kind gelobt, obwohl es kein Lob verdient hätte, entwickelt es ein übersteigertes Ego. Überwiegen Abwertung oder Misshandlung, fühlt sich das Kind wertlos und unfähig.
Da jedes Kind mit einem tiefen Bindungswunsch geboren wird, werden diese Beziehungswünsche mit all den Erfahrungen verknüpft, die es damals erlebt hat: Liebe verknüpft sich mit Leistung, Erwartung mit Kontrolle, Lob mit Abwertung, Misshandlung mit Sexualität, um nur einige zu nennen. Fatalerweise stellt sich das vertraute, verliebte Gefühl für den anderen Menschen dann ein, wenn genau diese Mischung wieder vorhanden ist. Die Frau, die in einer Suchtfamilie aufwächst, findet den Mann mit der Suchtproblematik, der Mann, dessen Mutter grenzüberschreitend handelte, findet eine kontrollierende Ehefrau usw. Während der ersten Verliebtheit wird dieser Anteil des Partners nicht wahrgenommen, es überwiegt das glückselige Gefühl, endlich von einem vertrauten Menschen geliebt zu werden. Endlich werden alle Beziehungswünsche erfüllt! Bei allen Paaren vergeht diese Phase mit der Zeit, und im Alltag zeigen sich plötzlich die Schattenseiten. Die Beziehung erlebt eine erste Belastungsphase. Heute trennen sich viele Paare, wenn sich das „wahre Gesicht“ des Partners zu zeigen scheint, oftmals viel früher als noch vor wenigen Jahren.
Beim nächsten Mann, bei der nächsten Frau, scheint zuerst alles besser zu sein, doch leider verflüchtigen sich die Endorphine irgendwann und alles fängt von vorne an. Viele Klienten besuchen unsere Kurse mit der Frage: Warum verliebe ich mich immer in denselben Typ Mann, denselben Typ Frau, obwohl ich weiß, dass es mir nicht gut tut? Unsere Antwort lautet: Weil der Mann, weil die Frau wie ein Schlüssel in Ihr Prägungsschloss passt! Das, was Sie in Ihrer Familie erlebt haben, das, was Ihnen zutiefst vertraut ist, strahlt der Partner aus, verbunden mit dem Versprechen, in diesem vertrauten Gefühl endlich geliebt zu werden.
Wenn der Alltag einsetzt, bekämpfen sich die Partner häufig genau wegen des Musters, das die Anziehung anfänglich ausgelöst hat. Der Mann scheint sich ähnlich wie der Vater der Frau zu verhalten, die Frau scheint ähnlich wie die Mutter zu agieren, wobei die Rollenbesetzung auch gegengeschlechtlich sein kann. Es ist jedoch nicht nur so, dass sich unsere Partner tatsächlich so verhalten wie unsere Eltern. Manchmal meinen wir auch nur, dasselbe Verhalten zu sehen. Wir projizieren.
Nehmen wir ein Beispiel, das in unseren Paarberatungen und in den Systemaufstellungen tatsächlich sehr häufig auftaucht: Die Frau beklagt sich bitter darüber, dass ihr Mann Absprache mit Kontrolle verwechselt. Er kommt nur selten zur abgemachten Zeit, hält sich nicht an das, was sie miteinander ausgemacht haben und reagiert äußerst gereizt, wenn sie bei gemeinsamen Entscheidungen mitreden will. Der Mann wehrt sich, ist er doch „Manns genug, um seine Frau nicht erst um Erlaubnis fragen zu müssen“. Schließlich ist er kein Pantoffelheld!
Wenn wir uns die Fakten berichten lassen, erzählt die Frau von vergessenen Kindern im Kindergarten, von nicht eingekauften Nahrungsmitteln, also von Vorfällen, in denen der Mann sie durch seine Verweigerung dazu zwingt, seinen Teil der gemeinsamen Verantwortung mitzutragen, denn schließlich können die Kinder nicht über Nacht im Kindergarten bleiben, und wenn nichts eingekauft ist, gibt es nichts zu essen. Wenn wir die Situationen genauer untersuchen, scheint der Mann die Absprachen, auch wenn deren Einhaltung objektiv notwendig ist, um das Alltagsleben der Familie zu organisieren, mit bösartiger Kontrolle zu verwechseln, gegen die er sich bewusst – durch Verweigerung – oder unbewusst – durch Vergessen – zur Wehr setzt.
Schauen wir uns die Kindheit dieser Männer näher an, finden wir Mütter, die ihre Söhne übermäßig kontrollierten und in einem Alter in deren Intimsphäre eindrangen, in dem sie sich hätten zurückhalten müssen. Mehr oder weniger kreativ begann der Sohn, sich der Kontrolle zu entziehen und entwickelte darüber hinaus eine intensive Abneigung gegen jedes Verhalten, das auch nur im Entferntesten nach Kontrolle zu „riechen“ schien. Andererseits war die Mutter sehr tüchtig und sehr gut in der Lage, das Leben der Familie zu organisieren.
Nachdem wir in unseren Aufstellungen sehr viele ähnliche Geschichten hörten, fragten wir uns, warum es in Deutschland so viele Männer gibt, die durch ihre Mütter übermäßig kontrolliert werden, und entwickelten folgende Hypothese:
Durch den Zweiten Weltkrieg wurden Millionen deutscher Frauen gezwungen, für ihr eigenes Leben und das ihrer Kinder zu sorgen, da die Männer an der Front kämpften, gefangen oder gefallen waren. Wenn es ums Überleben geht, ist kein Raum für zarte Gefühle. Es ist keine Zeit, nach dem persönlichen Befinden zu fragen oder abzustimmen, ob es allen Recht ist. Auf der Flucht und im Bombenhagel gelten andere Gesetze. So waren viele deutsche Frauen dazu gezwungen, das Kommando zu führen und zu kontrollieren, um zu überleben. Kamen die Männer zurück, waren sie häufig traumatisiert und zuerst einmal nicht in der Lage, ihre traditionelle Rolle auszufüllen. Die Frauen mussten weiterhin das Leben ihrer Familie organisieren. Viele Frauen verloren ihre Männer im Krieg und mussten den Sohn alleine großziehen. Dieser historische Hintergrund gibt vielleicht die Erklärung dafür, warum sich so viele Männer von ihren Müttern kontrolliert fühlen.
Söhne solcher Mütter suchen sich tüchtige Frauen, denn nur die tüchtige Frau fühlt sich vertraut an. Die Frau kann gut organisieren, und zuerst freut sich der Mann daran, eine fähige Partnerin an seiner Seite zu wissen. Schwierigkeiten tauchen meist auf, wenn das erste Kind geboren wird, denn dann bestimmen nicht mehr die Erwachsenen den Tagesablauf, sondern das Kind mit seinen Bedürfnissen. Der Mann sieht sich jetzt mit Erwartungen seiner Frau konfrontiert, die nicht mehr verhandelbar sind. Da ihm keine Gestaltungsmöglichkeiten bleiben, interpretiert der Mann das Verhalten seiner Frau als Kontrolle, gegen die er sich augenblicklich zur Wehr setzt. Es ist kaum zu glauben und wenn es nicht so oft passieren würde, würden wir es hier nicht schreiben, doch die jungen Väter sind nicht in der Lage zu erkennen, dass nicht die Ehefrau sondern das Baby die Bedürfnisse anmeldet, die keinen Aufschub dulden. Nicht umsonst gehen viele Männer kurz nach der Geburt des ersten Kindes fremd.
Oberflächlich betrachtet ist die Frau das Opfer ihres Mannes, bzw. der Erziehungsmethoden ihrer Schwiegermutter, doch sie hat ebenfalls ein Muster, das hervorragend zum Muster des Mannes passt. Sie kommt häufig aus einer Familie, in der Leistung einen hohen Stellenwert hatte. Sie wurde nur dann geliebt, wenn sie tüchtig war, doch auch wenn sie Leistung brachte, reichte diese nicht aus, um ihr die Anerkennung zu geben, die sie sich gewünscht hätte.
Da der Mann ihre Tüchtigkeit schätzt, blüht sie auf, denn endlich schätzt jemand das, was sie tut. Die Frau übertrifft sich selbst, der Mann ist zufrieden. Irgendwann tut die Frau jedoch etwas, was der Mann als Grenzverletzung erlebt, und er setzt sich zur Wehr. Die Frau fühlt schmerzlich, dass sie trotzt allem, was sie für ihn tut, nicht gesehen wird, und tut, wie sie es in ihrer Kindheit gewöhnt war, noch mehr. Dadurch fühlt sich der Mann noch mehr kontrolliert und setzt sich noch mehr zur Wehr. Ein Teufelskreis beginnt: Das, wodurch die Frau die Schwierigkeiten ihrer Kindheit zu lösen versuchte, ärgert den Mann und er wertet sie ab. Damit erlebt sie dasselbe Muster wie in ihrer Familie. Die sich steigernde Leistung seiner Frau erinnert den Mann an seine Mutter, er wird innerlich immer kleiner und trotziger, und an diesem Punkt ist er nicht mehr in der Lage, eine wichtige Vereinbarung von grenzverletzender Kontrolle zu unterscheiden. Augenscheinlich ist der Mann im Unrecht, doch wenn die Berater nur auf diese Seite eingehen, verpassen sie die Lösung, denn in diesem Konflikt haben beide etwas zu lernen: Beide müssen aus ihren Kindheitsmustern aussteigen, wenn sie den Konflikt nachhaltig lösen wollen.
Dasselbe Schlüssel-Schloss-Prinzip finden wir beim Süchtigen und seiner Partnerin. Je mehr der Süchtige die Kontrolle über sein Leben abgibt, umso mehr übernimmt die Partnerin die Verantwortung. In Therapeutenkreisen wird diese Struktur „Co-Abhängigkeit“ genannt. Die Kinder, die aus Doublebind-Familien stammen, suchen sich treffsicher Partner mit Doublebinds, die Kinder aus Familien mit psychischen Erkrankungen finden unberechenbare Partner. Über die Partner von Frauen mit dem Borderline-Syndrom gibt es Bücher, denn auch hier passt der „Deckel auf den Topf“.
Ein interessantes Ergebnis brachte eine eigene Untersuchung, die wir mit Männern machten, die sich treffsicher immer wieder traumatisierte Frauen suchten. Alle berichteten von einem eher geringen Selbstwert und einem tief sitzenden Zweifel an der eigenen Männlichkeit. Durch das Unterstützen der hilfsbedürftigen Frau versucht der unsichere Mann, sich unabkömmlich zu machen. Er ist nicht nur als Partner wichtig, sondern auch als stabiler Helfer, als Fels in der Brandung. So verringert der Mann seine Angst, von der Frau verlassen zu werden. Die Konflikte beginnen, wenn die Partnerin stärker wird und den Helfer nicht mehr braucht. Je erwachsener sich die Frau verhält, umso schwächer und abhängiger fühlt sich der Mann. Schließlich trägt er mit seiner Eifersucht und seiner Angst seinen Teil dazu bei, dass die Beziehung zerbricht.
Auch wenn unserer Erfahrung nach Beziehungen immer auf Grund dieses Schlüssel-Schloss-Prinzips zustande kommen, heißt das nicht, dass Beziehungen zum Scheitern verurteilt sind. Im Gegenteil! Wir sind schließlich keine Kinder mehr und unseren Muster nicht mehr hilflos ausgeliefert. Wenn wir die Herausforderung annehmen, bietet uns die Partnerschaft ungeahnte Entwicklungsmöglichkeiten. Die Bewältigung der Altlasten wird von Paaren als sehr erleichternd beschrieben. Meist entwickeln die beiden großes Mitgefühl für die Kinder, die sie einmal waren. So werden aus zwei in ihren Mustern gefangenen Kämpfern Verbündete, die das Leben miteinander meistern. Dann hat sich die Verliebtheit in Liebe verwandelt.